MGV Müllenbach antiquiert oder der Zeit angepasst?
MGV Müllenbach? Was ist ein MGV? Ein Sportverein? Vielleicht einer wie der VfL Gummersbach? Nein, damit hat MGV nichts zu tun. Dahinter verbirgt sich lediglich eine Gruppe maskuliner Vokalisten. Verdreht man zwei Buchstaben, so kommt dabei schlicht und ergreifend ein Männer-Gesang-Verein zum Vorschein. Eine Chorgemeinschaft also. Ein Chor, der sich in der Müllenbacher Kultgeschichte bereits 99 Jahre verwurzelt hat. „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen.“ Ein Leitgedanke der Männer „in the early years“. Die Bedeutung dieses Leitspruches ist bis heute unvergessen! Er klingt irgendwo recht sinnvoll. „Dem Wahren, Guten, Schönen...“ schön – klingt aber auch altmodisch! Die alten Lieder haben längst ihren Ehrenplatz im Notenarchiv gefunden. Wie alles unterliegt auch die Musik der Mode. Wenn auch der Chorgesang sich nicht jeder kurzlebigen kulturellen Phase unterwirft (Techno, Trance, Heavy Metal oder Brit Pop, um nur einige zu nennen), so ist doch eine große Entwicklung nicht zu übersehen. Es gibt immer mehr beflissene Chöre, die nicht nur Klassisches und Volktümliches schmettern, sondern sich auch dem Modernen und Populären annähern und das Publikum einerseits zum aufmerksamen Lauschen und andererseits zum entfesselten Mitschwingen beflügeln. Chormusik ist eine vielseitige Angelegenheit! Sie widmet sich harmonischen Melodien für jung und alt. Doch der ausschließlich auf Anglizismen abonnierten Jugend erscheint der Chorgesang oft unattraktiv und antiquiert. Und das führt unter anderem bei fast allen Chören zu Nachwuchssorgen.
Wir vom Männer-Gesang-Verein Müllenbach haben normalerweise keinen Grund, uns über die Anzahl der Sänger zu beklagen. 28 aktive Sänger halten zur Zeit dem Verein die Treue. Der Altersdurchschnitt der Sänger von 62 Jahren lässt bei einer zeitlichen Hochrechnung doch Anlass zur Sorge entstehen. Da der Verein auch in Zukunft als Kulturträger ein Stück Lebenqualität bieten möchte, wollen wir der Entwicklung nicht tatenlos zusehen und uns um neue Sangeskollegen bemühen.
Dazu ist es vielleicht angebracht, ein paar weitere Zeilen über unseren Chor zu verlieren. Unser erster Vorsitzender ist Volker Appelt. Seit 1990 leitet Volker die Geschicke des Vereins. Und gesungen wird unter der Leitung von Ralf Zimmermann. Ralf dirigiert aber noch weitere Chöre im Südkreis. Mit einem dieser Chöre, den „VOICES“, bekam er vom Oberbergischen Kreis sogar den Kulturförderpreis verliehen. Ralf nahm 1995 als 30jähriger Pädagoge seine Tätigkeit als neuer Dirigent bei uns auf. Dieser Dirigentenwechsel steht für den MGV als Synonym für einen musikalischen Aufbruch in eine neue Musikrichtung. Das klassische Liedgut behielt zwar seinen Ehrenplatz im weiterhin gepflegten Liederrepertoire, es wurden aber auch für den Chorgesang modifizierte Songs der „Neuzeit“, z. B. von den Bläck Fööss, Höhnern, Beatles, Boney M, von Drafi Deutscher, Cat Stevens und anderen Interpreten übernommen und einstudiert. Außerdem hielten Negro-Spirituals und Gospels sowie humorvolle Schunkellieder ihren Einzug. Bei Konzerten, Auftritten und Freundschaftssingen zeigte sich, dass Ralf hier richtig lag. Deutsche Volkslieder waren beim Publikum nicht mehr so willkommen. „Im Frühtau zu Berge“ reichte vielen nicht mehr, während der spritzige „Lollipop“ die Zuhörer zum Mitbewegen aufforderte. Mehr und mehr wurden Lieder in anderen Sprachen vorgetragen. Auch wenn dies den etwas betagteren Sangesbrüdern nicht so leicht über die Lippen kam, zogen sie hingebungsvoll mit und erfreuten sich am begeisterten Publikum.
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Ja, der Chor wurde sogar soweit getrimmt, dass er 1998 eine CD aufnehmen konnte. Im neuen Millennium zog es ihn erneut ins Tonstudio. Eine zweite CD mit Liedern zur Weihnachtszeit wurde herausgebracht, eine dritte folgte 2008. Interessierte können sich diesbezüglich gerne mit dem Geschäftsführer Johannes Löcher oder dem Schatzmeister Christian Nentwig ins Benehmen setzen. Denn einige wenige Silberlinge sind noch vorhanden.
Doch nur eine Tonaufnahme sollte im Jahr 2000 nicht genügen! Im selben Jahr stand das MGV-Ensemble vor der WDR-Kamera und gab den „Bergischen Fuhrmann“ zum Besten.
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„Köbesse“, Kellner, die in Kneipen obergärige Getränke reichen
Resümierend bleibt festzustellen, dass das Glück des Sängerbundes über 99 Jahre lang in der Hand vieler einsatzfreudiger Sänger, Vorstandsmitglieder, Chorleiter und natürlich auch großzügiger Gönner lag. Alle verstanden es bisher, den Zusammenhalt und die Freude am Singen zu erhalten.
Die 28 Sänger, die sich heute dem Chor heimisch fühlen, können sich glücklich schätzen, das gut harmonierende Team Volker Appelt / Ralf Zimmermann an der Spitze zu haben, die dem Trend angepasst Richtung und Niveau des Chors bestimmen.
Allerdings wenn nicht bald neue Männer den Gesang mitgestalten , werden in einigen Jahren nur noch wenige Sänger übrig bleiben bis dann auch für den MGV Müllenbach das Schlusswort lautet: „Der Letzte macht bitte das Licht aus!“
Aber warum sollte es so weit kommen? The show must go on! Gibt es nicht noch genügend sangesfreudige Männer in Müllenbach oder deren nur wenige Autominuten entfernten Umgebung, wie z. B. Dannenberg, Börlinghausen, Holzwipper, Rodt, Stühlinghausen, Schemmen, Kalsbach, Obernhagen, Berghof, Siepen, Dahl oder andere Ortschaften?
Aber warum Singen? Warum soll ich singen? Das können die anderen viel besser. Ich bin doch kein Sänger.
Es kommt nicht darauf an, Noten zu kennen oder eine Stimme wie Elvis oder Pavarotti zu haben. „Drum singe, wem Gesang gegeben.“
Singen kann fast jeder! Nur viele tun es nicht. Das Singen gehört schon lange nicht mehr zu den Selbstverständlichkeiten des Alltages.
Dabei ist Singen gesund!
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Ein Plakat der Aktion
„Gesund durch Singen“
Zu Risiken und Nebenwirkungen ...
ja, wer singt, tut ein wenig für die Gesundheit – die seelische Gesundheit. Gegen Viren helfen Melodien zwar nicht, aber die Anfälligkeit ist ja stets die eine Seite der Krankheit, und die liegt sehr oft im Psychosomatischen. Wer seine Probleme in sich hineinfrisst, wird krank. Wer sie hinaussingt, löst meist innere Verspannungen und beseitigt Stress. Töne zu produzieren und zu halten lernt man genau so schnell wie korrektes gesundes Atmen. Ein bischen Training in geselliger polyphoner Runde mischt dem Gesang sogar rasch Freude bei. Über 3000 aktive Sänger in etwa 100 Chören des Sängerkreises Oberbergisch Land können nicht irren!
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Ralf (links) vermittelt in der Runde Lockerung, Entspannung und richtiges Atmen
Sicher gibt es auch viele Frauen, die am Fortbestand ihres traditionellen Heimatchores interessiert sind und Verständnis für ein klein wenig Engagement ihrer Ehegatten aufbringen. Dem Kulturleben der Gemeinde würde so ein kleiner Beitrag geleistet. So Gott will, kommt auch der Tag der eigenen Silbernen oder sogar Goldenen Hochzeit. Und die ließe sich vielleicht durch einen feierlichen Gesang verschönern. Oft und gern wird auch der Gesangverein zu einem kurzen Auftritt bei Jubiläen oder anderen Feiern gebeten.
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Übungen des 1. Tenors
Nachdem nun die physiologischen Fähigkeiten, die Fragen der psychosomatischen Gesundheitsverbesserungen und der Soziablität, das soziale Engagementvermögen so wie die familiären Angelegenheiten abgecheckt wurden, spricht doch eigentlich nicht mehr viel dagegen, mit uns zu singen. Oder doch?
In den meisten Fällen ist es nur der erste Schritt, der Probleme bereitet. Vielleicht kann man sich noch nicht so richtig aufraffen. Und manchen behagt es womöglich nicht, allein in der Tür zu stehen. Aber da kann sich jeder der Hilfsbereitschaft eines unserer Sangesbrüder sicher sein. Besuch(t) uns doch einfach mal - ganz unverbindlich. Wir treffen uns mittwochs abends um halb sieben bis acht im "Strandhaus" zum Workshop. Einen Teil der Tagesschau wird man dann vielleicht verpassen, aber dem „Abendprogramm“ steht danach nichts mehr im Wege!
Wir würden uns über einen Besuch freuen!
Wo man singet, da lass dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder!
Bernd Schmitz
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